Seligsprechungsverfahren des Jesuitenpaters Philipp Jeningen

Interview
Seligsprechungsverfahren Philipp Jeningen geht weiter
Am 7. November 2011 beginnt in der Basilika der Wunderprozess mit einer Pontifikalvesper mit Bischof Fürst
Von Josef Schneider

Ellwangen – Der Gute Pater Philipp Jeningen (1642 bis 1704), Volksmissionar in Ellwangen, soll seliggesprochen werden, ein weiterer Schritt in diesem Verfahren wird am Montag, 7. November, mit einer Pontifikalvesper um 18 Uhr in der Basilika eröffnet. Josef Schneider sprach mit Pfarrer Michael Windisch über den Jesuit und den Seligsprechungsprozess.

Am Montag beginnt der Wunderprozess in Sachen Philipp Jeningen. Warum soll der Pater seliggesprochen werden?
Pater Philipp ist hier seit vielen Jahrhunderten hoch verehrt. Die Menschen haben erfahren, wenn sie in den verschiedensten Anliegen an seinem Grab waren, um seine Fürsprache zu erbitten, dass sie dann ermutigt und gestärkt wieder in ihren Alltag zurückkehren konnten. Das Andere ist: Wenn jemand seliggesprochen wird, wird er als Vorbild vorgestellt. Viele suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können. Für uns ist Pater Philipp so ein Vorbild in der Verkündigung des Evangeliums. Die zeitlichen Umstände sind heute zwar ein Stück weit anders als zur Lebenszeit von Pater Philipp. Aber das was Pater Philipp getan hat, ist für uns als Kirche auch heute noch von Bedeutung, und zwar unter dem Stichwort, das unser Bischof so gerne verwendet: Missionarische Kirche zu sein. Das heißt, auch wir sollen, wie Pater Philipp damals, das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen.
Woran hat es bislang gehapert?
Ich denke, es sind verschiedene Dinge zusammengekommen, warum es in den letzten Jahrzehnten nicht richtig weiterging. Es könnte sein, dass bei den Jesuiten in Rom, die diesen Prozess bisher allein geführt haben, der Eindruck entstand, dass von unserer Seite zu wenig nach dem Stand der Dinge nachgefragt worden sei. Man hat einfach darauf vertraut, es wird schon laufen. Das Andere ist: Für den erfolgreichen Abschluss eines Seligsprechungsverfahrens braucht man ja ein medizinisches Wunder. Bei allen Fällen von erkrankten Personen, die wieder gesund wurden, nachdem sie oder Angehörige von ihnen am Grab von Pater Philipp beteten, haben wir keine medizinische Dokumentation vorlegen können, weil diese Fälle zu lange zurücklagen. Wir haben diese Fälle an den Generalpostulator der Jesuiten in Rom weitergeleitet, sie aber mit dem Hinweis auf die fehlenden medizinischen Dokumente zurückerhalten.
Gibt es dieses Wunder jetzt?
Wir haben vor einiger Zeit in unserer Diözese Kenntnis erhalten von einem Fall, bei dem es medizinische Dokumente gibt. Ich habe diese in den vergangenen zwei Jahren gesammelt und Zeugen befragt. In diesem Verfahren, das am Montag eröffnet wird, werden diese Akten bewertet. Die Akten habe ich in Rom Dr. Andrea Ambrosi vorgelegt, der vom Bischof zum Postulator in diesem diözesanen Verfahren ernannt wurde. Ambrosi wird am Montag da sein.
Welchen Anteil haben Sie, welchen hat Ihr Vorgänger Patriz Hauser?
Ich bin von den Jesuiten zum Vizepostulator berufen worden und muss dem Generalpostulator der Jesuiten von hier aus zuarbeiten. Zum anderen habe ich im Auftrag des Bischofs dem Dr. Ambrosi zugearbeitet. Pfarrer Hauser war auch Vizepostulator und hat die Sachen, die ihm zugetragen wurden, an die Jesuiten nach Rom weitergegeben.
Wie lange dauert der Seligsprechungsprozess nach Eröffnung?
Zeitliche Angaben kann ich keine machen. Das Kirchengericht wird zügig arbeiten. Ich kann nicht sagen, ob es sechs, zwölf oder 18 Monate sind. Das Ergebnis der Beratungen dieses Kirchengerichts geht nach Rom an die Kongregation für die Heiligsprechungen und wird dort weiterbearbeitet. Die Entscheidung fällt letztendlich in Rom.
Wie ist der Ablauf am Montag? Ist auch die „action spurensuche“ involviert?
Es ist ein ganz klassischer Pontifikalvespergottesdienst, dem Bischof Dr. Gebhard Fürst vorstehen wird. Mitglieder der „action spurensuche“ werden im Gottesdienst den Lektorendienst übernehmen. Die „action spurensuche“ ist ein wichtiger Bestandteil in diesem Prozess, sie hat großen Anteil daran, dass bei den zuständigen Behörden in Rom gesehen wird, dass Pater Philipp nach wie vor quer durch alle Generationen sehr verehrt wird. Vor dem Segen wird Dr. Ambrosi den Bischof bitten, diesen diözesanen Wunderprozess zu eröffnen. Der Bischof wird die Bitte annehmen und die Namen der Mitglieder des Kirchengerichts nennen. Anschließend wird Weihbischof Dr. Johannes Kreidler als Domdekan in dieser Funktion die Mitglieder des Kirchengerichts, die vereidigt werden müssen, vereidigen. In der Kapitelbibliothek unterschreiben die Mitglieder des Kirchengerichts die Dokumente. Danach ist im Jeningensaal Stehempfang. Die Jesuiten sind an der Pontifikalvesper nicht beteiligt, das ist eine reine Sache der Diözese. Aber auch die Jesuiten verfolgen die Seligsprechung, sodass wir zweispurig fahren.

Auszug aus:Ostalb Medien GmbH - Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten








Der Wunderprozess ist eröffnet

Pfarrer Michael Windisch, Prof. Dr. Bernd Ultsch und Dr. Rainer Zitzmann sind im Kirchengericht
Von Josef Schneider

Ellwangen – Der Wunderprozess im Seligsprechungsverfahren des Jesuitenpaters Philipp Jeningen ist seit gestern Abend eröffnet. Bei der Pontifikalvesper in der voll besetzten Basilika sagte Bischof Dr. Gebhard Fürst: „Ich bete dafür und hoffe, dass der Wunderprozess zu einem guten Ende führt.“ Der Oberhirte war erst vor fünf Wochen im Rahmen der Dekanatsbezirkswallfahrt zu Ehren Pater Philipps als Prediger in Ellwangen, was darauf schließen lässt, dass dem Bischof daran liegt, das Verfahren rasch durchzuführen. Der Volksmissionar starb 1704 im Alter von 62 Jahren in Ellwangen.

„Philipp, du Gottesmann, reich an Glaub und Tugend“, sang die Gemeinde beim Einzug der 27 Geistlichen in die Basilika das Philipp-Jeningen-Lied. Auf den Altarstufen stand auf rotem Tuch ein Bild des Guten Paters, von Kerzen umrahmt. Unmittelbar vor der Vesper waren die Zelebranten am Grab von Pater Philipp in der Liebfrauenkapelle der Basilika vorbeigezogen und hielten dort kurz inne. Pfarrer Michael Windisch dankte dem Bischof für seinen Einsatz im Seligsprechungsverfahren und begrüßte unter den Zelebranten auch Prälat Werner Redies, Abt Norbert Stoffels von der Abtei Neresheim und Dekan Dr. Pius Angstenberger sowie Dr. Andrea Ambrosi aus Rom, der zum Postulator in diesem diözesanen Verfahren ernannt wurde.
Bischof Gebhard Fürst knüpfte in seiner Predigt an die sieben Seligpreisungen der Bergpredigt an. Alles in Pater Jeningen sei darauf ausgerichtet gewesen, „nur dem Nächsten zu leben“, nahm der Oberhirte Bezug zur Grabinschrift des in Ellwangen lebenden und wirkenden Jesuiten und bezeichnete den Volksmissionar und Prediger als einen Menschen mit einem ganz besonderen Charisma, einem besonderen Blick und einem besonderen Mut.. Der „heroische Tugendgrad“ Pater Jeningens wurde bereits 1989 als erste Voraussetzung für eine mögliche Seligsprechung festgestellt. Wenn alle Menschen so leben würden wie er, wären die Umstände in dieser Welt besser. Es gebe weniger Gewalt in Beziehungen, weniger Kriege, weniger Ungerechtigkeit und weniger Ungutes Im Inneren wie im Äußeren – und mehr Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen. Wir alle seien Selige, wir alle seien Heilige, wenn wir dem Geist Gottes Raum geben, appellierte der Bischof, Christen zu sein, selbst Selige zu sein.
Am Ende der Vesper wurde der diözesane Wunderprozess eröffnet, Andrea Ambrosi bat den Bischof in lateinischer Sprache darum. „Gerne komme ich Ihrer Bitte nach“, sagte Fürst. Er ernannte die Mitglieder des Kirchengerichts, die durch Prälat Werner Redies öffentlich am Ambo vereidigt wurden und anschließend in der Kapitelsbibliothek des Jeningenheims die Dokumente unterschrieben. Mitglieder des Kirchengerichts sind als bischöflicher Stellvertreter Offizial Thomas Weißhaar, als Promotor Iustitiae Prälat Reinhold Melber, als Beisitzer Bischofssekretär Holger Winterholer, als Notar Offizialatsrat Dr. Stefan Ihli, zu stellvertretenden Notarinnen Monika Hentschel und Sylvia Söll, zum Ärztlichen Beirat Prof. Dr. Bernd Ultsch, als ärztliche Gutachter Dr. Heidrun Saalbron und Dr. Rainer Zitzmann, zum Postulator Dr. Ambrosi und zum Vizepostulator Pfarrer Michael Windisch. In dem gestern eröffneten Wunderprozess geht es darum, ein Heilungswunder des Verstorbenen als weitere Voraussetzung kirchenrechtlich anzuerkennen.

Auszug:Ostalb Medien GmbH - Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten