Marktplatz

Stellungsnahme

Stellungnahme des Kirchengemeinderats St. Vitus
zur Neugestaltung des Stiftsplatzes/Marktplatzes


Die Kirchengemeinde St. Vitus ist durch die Neugestaltung des Stiftsplatzes/Markt-platzes unmittelbar betroffen. Daher hat sich der Kirchengemeinderat mit dieser Thematik ausführlich befasst und mit überwiegender Mehrheit folgende Stellung-nahme verabschiedet.

Dankbar sind wir, dass die Kirchengemeinde in den Gesprächen über die Neugestaltung des Stiftsplatzes/Marktplatzes gehört wurde und ihre Vorstellungen benennen konnte.

Den Mitgliedern des Kirchengemeinderats St. Vitus, die die Kirchengemeinde vertreten, ist es wichtig, dass bei allen Überlegungen und Entscheidungen zur Neugestaltung des Stiftsplatzes/Marktplatzes beachtet wird, dass der Platz auch zukünftig für kirchliche Zwecke genutzt werden kann. Es ist eine Tradition, die wir nicht abbrechen lassen möchten, dass dort Fronleichnam mit der Prozession am Vorabend und dem Festgottesdienst am Feiertag ebenso gefeiert werden können wie der Beginn des Palmsonntaggottesdienstes und der Feier der Osternacht.

Wie die Feierlichkeiten des Jubiläums der Kolpingsfamilie in diesem Jahr gezeigt haben, wird der Stiftsplatz/ Marktplatz im Jahreslauf auch immer wieder zu besonderen Gottesdiensten und ebenso für Wallfahrten gebraucht.

Daher sind wir auch gegen die Errichtung eines Servicegebäudes mit Gastronomiebetrieb. Wir befürchten, dass die beabsichtigte Außenbewirtung gottesdienstliche Feiern beeinträchtigen wird und so der eigentlichen Funktion der Basilika schadet, ganz zu schweigen von verschiedenen negativen Begleiterscheinungen im Umfeld des Gastronomiebetriebs. Wir sind davon überzeugt, dass eine Belebung des Stiftsplatzes/Marktplatzes nicht durch die Gastronomie auf diesem Platz erreicht werden kann, sondern dass dafür andere Faktoren ausschlaggebend sind.

Das angedachte Servicegebäude lehnen wir auch aus optischen Gründen ab. Die Basilika prägt das städtebauliche von europäischem Rang. Das angedachte Servicegebäude verstellt unserer Meinung nach den Blick auf die wertvolle Apsisseite der Basilika und steht damit im Widerspruch zum Vorhaben, die Basilika besser in die Innenstadt einzubinden: Im Osten wird durch das geplante Servicegebäude, das weder zur Basilika noch zu den Stiftsher-renhäusern passt, der Platz geschlossen, während er im Südwesten und Westen durch das Entfernen von Bäumen geöffnet werden soll. Deshalb bitten wir entschieden darum, mit Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit Alternativen, die es im unmittel-baren Umfeld der Basilika schon heute gibt, zu prüfen. Mit gutem Willen lassen sich hier bessere Lösungen erreichen als durch Errichtung eines neuen Servicegebäudes. Den Bau eines Servicegebäudes können wir daher aus den dargestellten Grün-den keinesfalls hinnehmen.

Wichtig ist uns zudem, dass diejenigen, die zu den Gottesdiensten in die Basilika kommen – sei es zu den sonntäglichen Gottesdiensten oder zu den durchschnittlich jährlichen 70 Trauergottesdiensten oder Hochzeiten –, diese gut erreichen können. Daher legen wir auch wert auf Parkplätze sowie darüber hinaus auf die freie Zufahrt zur Sakristei. Ein noch zu entwickelndes Parkleitsystem sollte diese Belange berücksichtigen.

Positiv beurteilen die Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte das Bestreben, die Sicht auf die Basilika zu verbessern. Dadurch kommen die sehr große Bedeutung der Basilika und der das Stadtbild prägende Charakter der Basilika weitaus klarer als bisher zum Tragen. Die Basilika wird noch deutlicher sichtbar in der Mitte der Stadt stehen, wenn der Bereich nördlich des Jeningenheims neu gestaltet sein wird.

Positiv wird auch die im östlichen Bereich des Stiftsplatzes/Marktplatzes nahe der Taufkapelle und der Sakristei der Basilika vorgesehene Neuanpflanzung von Bäumen beurteilt. Hierdurch erfährt der Bereich des ehemaligen Friedhofs eine angemessene Gestaltung. Darüber hinaus entsteht ein einladender Raum für Ruhe und Erholung.

Wir bitten die, die die entsprechenden Entscheidungen zur Neugestaltung des Stiftsplatzes/Marktplatzes treffen werden, um eine hohe Sensibilität hinsichtlich der Einzigartigkeit dieses Platzes, die von vielen Einheimischen und Besuchern, von Historikern sowie von Städtebau- und Denkmalexperten gelobt und geschätzt wird. Wir bitten darum, die eigentliche Funktion der Basilika zu berücksichtigen und uns als Kirchengemeinde auch zukünftig die Möglichkeit zu geben, unbeeinträchtigt unseren Glauben feiern zu können.

 

Für den Kirchengemeinderat St. Vitus


Michael Windisch, Pfarrer                                      Paul Feil, 2. Vorsitzender des KGR

 

Ellwangen, den 24. Oktober 2011