Christian Wulff appelliert an Senioren: „Mentoren werden für junge Menschen“

Ein besonderer Besuch im Jeningenheim in Ellwangen: Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff war am 20.01.2026 zu Gast und setzte dabei ein deutliches Zeichen für christliche Entwicklungshilfe – und für die wichtige Rolle älterer Menschen in der Gesellschaft.
Pfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen begrüßte Wulff mit großer Freude und betonte, dass es nicht alle Tage vorkomme, ein ehemaliges Staatsoberhaupt in Ellwangen willkommen zu heißen. Ellwangen sei eine Stadt mit besonderem Charakter – nicht zuletzt wegen der fünf aktiven Klostergemeinschaften. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Kirchen sei in Ellwangen selbstverständlich. Zudem verwies van Meegen auf das ausgeprägte ehrenamtliche Engagement, etwa im Zusammenhang mit der Landesgartenschau.
Oberbürgermeister Michael Dambacher hieß Christian Wulff ebenfalls herzlich willkommen und überreichte ihm eine Ellwanger Landesgartenschau-Tasse und Pralinen. Anschließend bat er den ehemaligen Bundespräsidenten, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Christliche Entwicklungshilfe im Mittelpunkt
Im weiteren Verlauf stand das Thema Entwicklungshilfe im Mittelpunkt. Pfarrer van Meegen kritisierte, dass US-Präsident Donald Trump vor rund einem Jahr die Gelder für Entwicklungshilfe eingestellt habe. Gerade kirchliche Organisationen wie die Comboni-Missionare seien jedoch wichtige Brückenbauer zwischen Kontinenten.
„Ohne Bildung gibt es keine Gegenwart und keine Zukunft“, betonte van Meegen und lobte insbesondere den Freiwilligendienst, der jungen Menschen nicht nur helfe, Verantwortung zu übernehmen, sondern auch den eigenen Horizont erweitere.

Konkrete Beispiele aus der Arbeit der Comboni-Missionare
Comboni-Missionar Pater Günther Hoffmann gab in einem Kurzreferat Einblicke in die praktische Arbeit der Missionare. Im Mittelpunkt standen dabei konkrete Beispiele christlicher Entwicklungshilfe.
Ein wichtiger Baustein seien die Freiwilligendienste der „Missionare auf Zeit“. Junge Menschen würden dabei nicht nur für soziale Projekte gewonnen, sondern machten häufig prägende Erfahrungen, die ihren Blick auf globale Zusammenhänge lenkten. Der Freiwilligendienst bedeute für viele eine echte Horizonterweiterung – menschlich, kulturell und im Glauben.
Als weiteres Beispiel stellte Hoffmann die Arbeit der Comboni-Familie am Matany Hospital in Uganda vor. Dort gehe es um medizinische Versorgung, aber auch um ein Prinzip, das in der kirchlichen Entwicklungsarbeit zentral sei: Subsidiarität. Hilfe solle so gestaltet werden, dass sie Menschen vor Ort stärkt und ihnen ermöglicht, langfristig selbstständig Strukturen aufzubauen – also Hilfe zur Selbsthilfe.
Auch der Einsatz von Bruder Hans Eigner im vom Bürgerkrieg geprägten Südsudan wurde hervorgehoben. Dort unterstütze er die Menschen nicht nur praktisch, sondern baue in einem von Hunger, Gewalt und Machtkämpfen gezeichneten Land Brücken zwischen Gruppen und Regionen. Gerade in solchen Krisengebieten sei die Kirche ein wichtiger Partner, damit Hilfe tatsächlich bei den Notleidenden ankomme.
In den vergangenen 50 Jahren seien rund 200 Jugendliche als Missionare auf Zeit nach Afrika und Südamerika entsandt worden.

Wulff: Senioren sollen Mentoren werden
Christian Wulff machte in seinem Beitrag deutlich, dass ältere Menschen ein großes Potenzial hätten, junge Menschen zu begleiten. Senioren könnten als Mentoren viel bewirken – ein „Riesenpotenzial“, wie er sagte.
Er sprach sich außerdem für ein Pflichtjahr aus, etwa bei der Bundeswehr, beim Technischen Hilfswerk, beim Roten Kreuz oder in der Entwicklungshilfe. Damit unterstützte er die Überlegungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Wulff plädierte für Entwicklungshilfe „auf Augenhöhe“. Gerade von Afrika könne man viel lernen – unter anderem die Fröhlichkeit und den Umgang der Menschen miteinander. Wulff selbst engagiert sich in der Migrationsarbeit und begleitet junge Menschen als Mentor. Er bezeichnete dies als eine Win-Win-Situation: „Wir sind alle Erdenbürger.“
Kritisch äußerte er sich über den Rückzug der USA aus Gesundheitsprojekten. Dieser Rückzug habe Menschenleben gekostet. Deutschland sehe diese Verantwortung anders, sagte Wulff und sprach von Empathie gegenüber armen Ländern. Durch Unterstützung vor Ort könne man auch die Ursachen von Flucht und Vertreibung verringern.

Moderiertes Gespräch und Besuch in der Basilika
Pfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen moderierte anschließend das Gespräch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und Bundespräsident a. D. Christian Wulff.

Zum Abschluss folgte eine Führung durch die Basilika St. Vitus sowie ein Rundgang durch den Kreuzgang, ebenfalls begleitet von Pfarrer van Meegen. Am Grab des seligen Pater Philipp Jeningen wurde gemeinsam gebetet. Als Abschluss spielte Regionalkantor Benedikt Nuding ein kleines Orgelkonzert für den hohen Gast.