Seligsprechung Pater Philipp Jeningen SJ

Der gute Pater Philipp Jeningen – ein ansteckender Christ

Am 16. Juli ist endlich wahr geworden, was sich viele Menschen nicht nur in Ellwangen und in der weiteren Umgebung, sondern in der ganzen Diözese Rottenburg-Stuttgart seit langem gewünscht und erhofft haben. Der gute Pater Philipp Jeningen, der 1642 im benachbarten Eichstätt auf die Welt kam, wurde unter großer Beteiligung in einem festlichen Gottesdienst seliggesprochen.

Vom Volk wurde Pater Philipp schon seit langem verehrt, aber die offizielle Bestätigung ließ auf sich warten. Es fehlte das Wunder. Doch das eigentliche Wunder ist, dass Philipp Jeningen seit seinem Tod vor über 300 Jahren (1704) ununterbrochen vom Volk verehrt und in vielfältigen persönlichen Notsituationen wie in Kriegs- und Seuchengefahren von Jung und Alt angerufen wurde. So war jetzt die Freude riesengroß.

Rein äußerlich gibt es von Philipp Jeningen wenig zu berichten. Der gute Pater Philipp war ein demütiger Mensch, der nichts aus sich machte. Doch er war ein guter Christ, und dies nicht nur dem Namen nach; er lebte das Christsein im Alltag. Durch seine tiefe persönliche Frömmigkeit, seine persönlich überzeugende einfache asketische Lebensweise, seinen liebenswürdigen und humorvollen Umgang mit den Menschen erwarb er sich Hochachtung und war im Volk beliebt. Darin ist er auch heute ein Vorbild und solche Vorbilder brauchen wir heute nötiger denn je.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte in Eichstätt, Ellwangen und in ganz Deutschland viele Verwüstungen und Zerstörungen hinterlassen und schon drohten neue kriegerische Auseinandersetzungen, die Angst und Schrecken verbreiteten. Im Westen zogen die Franzosen plündernd und brandschatzend durch das Lang, im Osten wurden die Türken vor Wien 1683 zwar geschlagen, aber die Türkische Gefahr war danach noch nicht gebannt. Es war eine Zeit vielfältiger Ängste und Gefahren, eine Zeit des Hungers, der Seuchen und eine Zeit der äußeren wie inneren Verwahrlosung.

Pater Philipp Jeningen war ein echter Jesuit alten Stils. Nach seiner Ausbildung in Ingolstadt und Landsberg wollte er nach dem Vorbild seines großen Ordensbruders Franz Xaver (1506-52) in die Mission nach Indien. Doch seine Mission sollte Ellwangen und das Ries werden. Dort sollte er als Missionar das Evangelium verkünden und den Glauben neu befestigen. Unermüdlich wanderte er von Ort zu Ort, predigte, besuchte Kranke, tröstete Trauernde, ermutigte und machte in schweren Situationen Hoffnung, ermahnte die auf Abwege Geratenen und führte sie zum rechten Leben zurück. Dazu saß er viele Stunden im Beichtstuhl, hörte die Menschen an und sprach ihnen die Vergebung und Versöhnung Gottes zu. Nichts war ihm zu viel. In der unmittelbar nachreformatorischen Zeit gab es noch keine Ökumene, oft waren die Auseinandersetzungen hart und der Widerstand groß. Doch der gute Pater Philipp ließ sich durch nichts abschrecken.

Die innere Kraft wurde ihm von oben, durch seine Verwurzelung in Gott, geschenkt. Er war ein Mystiker, ein Mann und ein Freund Gottes, im Gebet sozusagen auf Du und Du mit Gott. Er sagte von sich selbst: „Auch auf Erden ist Gott mein Himmel.“ Dabei blieb er den Menschen nah. Er strahlte die Liebe Gottes aus. Seine Herzensgüte war ansteckend, Vertrauen und Hoffnung weckend. Das machte ihn bei allen Volksschichten und besonders bei den Kindern beliebt. Dabei konnte er es auch gut mit dem Fürstpropst. Mit seiner Hilfe war es ihm, dem großen Marienverehrer möglich, die prächtige Basilika auf dem Schönenberg zu errichten, die über Ellwangen wacht, ins ganze umliegende Land grüßt und bis heute Menschen aus nah und fern anzieht.

Solche ansteckende Christen brauchen wir auch heute, wo sich schwere Krisen geradezu überlagern: Der Klimawandel und die Umweltkrise, die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg und viele andere schrecklich kriegerische Auseinandersetzungen, die weltweite Hungersnot und Flüchtlingsnot und nicht zuletzt die Glaubensnot und die schweren innerkirchlichen Krisenerscheinungen in einer Welt, die törichterweise meint, auch ohne Gott auszukommen. Da kann man nur um neue heiligmäßige Wanderapostel bitten, wie Pater Philipp einer war und beten: Guter, seliger Pater Philipp bitte für uns!

Kardinal Walter Kasper


Zum Artikel der Schwäbischen Post vom 16.07.2022
Zum Artikel der Schwäbischen Post vom 18.07.2022
Zum Artikel der Ipf- und Jagst-Zeitung vom 18.07.2022
Zum Artikel der Ipf- und Jagst-Zeitung vom 19.07.2022
Sonderbeilage zur Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen

Link zum SWR-Video zur Seligsprechung

Pater Philipp Gebet

Dank an alle Beteiligten

Die Seligsprechung von Pater Philip Jeningen SJ am 16. Juli 2022 war ein echtes Jahrhundertereignis für Ellwangen! Das bezeugen die Artikel, Bilder und Beschreibungen in diesem Buch. Hier wird berichtet, wie es historisch, persönlich und rechtlich zur Seligsprechung gekommen ist und natürlich die Vorbereitung, die Festtage selbst und all das, was sich bis heute daraus entwickelt hat. Während andere Diözesen mindestens ein Jahr oder länger Vorbereitungszeit haben, war uns die Aufgabe in 5 Monaten gestellt, zudem noch mitten in der Corona-Pandemie. Wir wussten nicht wie das alles funktionieren sollte. Über 300 Haupt- und Ehrenamtliche haben mitgewirkt, unterstützt von Klaus Feith als Organisationsmanager, Karin Schieszl-Rathgeb, Margret Schäfer-Krebs und Thomas Weißhaar von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nicht unerhebliche Fragen wie viele Menschen zu den Veranstaltungen kommen werden, die Wetterfrage und auch der Stand der Pandemie waren echte Herausforderungen. Trotz aller Schwierigkeiten waren die Feierlichkeiten zur Seligsprechung ein voller Erfolg. An allen drei Tagen waren genau so viele Menschen da wie wir erwartet hatten. Und dazu noch: die Vorbereitungen und die Zusammenarbeit haben uns in Ellwangen noch mehr zusammengebracht. Die kulinarischen Köstlichkeiten aus Ellwangen, die künstlerischen Beiträge von Ulrich Brauchle, Rudolf Kurz, Gerhard Stock und den Kindern, die tiefgehenden geistlichen Impulse der „action spurensuche“, die hervorragende Musik an allen Tagen durch Musikvereine, Chöre, Peter Schleicher und Regionalkantor Benedikt Nuding waren einfach klasse. Das Architektenteam und die zahlreichen Handwerker haben just in time die Basilika und die Liebfrauenkapelle, die Grabplatte und den Kreuzgang professionell renoviert. Dann kamen die Festtage selbst. Die Absage von Kardinal Semeraro zu Beginn der Festwoche wurde durch die Zusage von Kardinal Hollerich postwendend ausgeglichen. Als Jesuit hat er sich hervorragend vorbereitet und eine zu Herzen gehende Predigt gehalten. In den Schaufenstern der Ellwanger Geschäfte waren die Bilder der Kinder und Jugendlichen die beste sichtbare Vorbereitung. Der Marktplatz verwandelte sich in eine Freiluft-Kirche mit offenem Blick zum strahlend blauen Himmel. Schon am Vorabend pilgerte eine große Schar von Menschen in der Lichterprozession vom Schönenberg auf den Marktplatz. Das Lichtermeer steigerte die Vorfreude auf den großen Tag. Die Bürgergarde und die zahlreichen Ministrantinnen und Ministranten, die Geistlichen und vor allem die vielen Pilger füllten den Marktplatz. Die Enthüllung des Portraits unseres Seligen Pater Philipp wurde mit einem tosenden Applaus unterstützt. Viele Bilder und Begegnungen sollen durch dieses Buch dokumentiert und dadurch in Erinnerung bleiben: die gelben Schirme die die Ministranten trugen um die Kommunionhelferinnen zu begleiten. Die vielen Kinder aus den Kindertagesstätten zusammen mit den Erziehrinnen hatten die passenden Symbole und Bilder dabei um das Spalier zur Liebfrauenkapelle zu bilden. Das gratis verteilte Mineralwasser gegen die Hitze und dann das gemütliche Beisammensein nach dem Festgottesdienst um die kulinarischen Köstlichkeiten und das Pater-Philipp-Bier zu genießen. Den Abschluss bildete am dritten Tag der Dankgottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst am Bergaltar auf dem Schönenberg. Wie gut und eng die Ellwanger Kirchengemeinden mit dem Schönenberg zusammenarbeiten können haben diese Tage eindrucksvoll gezeigt. Die Seligsprechung ist aber nicht der Abschluss, sondern der Anfang einer neuen Bewegung, die Menschen wieder näher zu Gott und zueinander bringen soll. Der Besuch und Festgottesdienst an Mariä Himmelfahrt mit Kardinal Kasper ist so ein Beweis dieser Vision. Sowohl während der Vorbereitung als auch an den Festtagen selbst und bis heute haben uns die Medien vorbildlich unterstützt. Seit der Seligsprechung kommen Woche für Woche Wallfahrtsgruppen nach Ellwangen um auf den Spuren des Seligen Pater Philipp Jeningen SJ zu wandeln. An seinem Grab in der Liebfrauenkapelle werden unzählige Kerzen entzündet, Gebete gesprochen und Gottesdienste gefeiert. Das alles vertieft unsere Gottesbeziehung. Allen, die sich in der Vorbereitung, an den Festtagen selbst, für dieses Buch und bis heute im Sinne des Seligen Pater Philipp Jeningen hierfür engagieren möchte ich im Namen aller Beteiligten ein von Herzen kommendes Vergelts Gott sagen! Pfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen.

MIT LEIDENSCHAFT FÜR GOTT, IN SORGE FÜR DIE MENSCHEN

Mit einem Festgottesdienst in der Basilika wurde erstmals der Gedenktag des Seligen Pater Philipp Jeningen begangen. Der erste Gedenktag des Seligen hatte Qualitäten eines Hochfests.

„Pater Philipp, schenke Segen, / dass sich Demut, Liebe regen / in den Herzen, in der Hand, / Gott und Menschen zugewandt.“ So heißt es im neuen Pater-Philipp-Gebet, das die Gläubigen am Abend des 8. Februar, dem Todestag Philipp Jeningens, am Grab des neuen Seligen in der Liebfrauenkapelle und im Kreuzgang von St. Vitus erstmals beteten. Vorausgegangen war ein festliches Pontifikalamt mit Bischof Dr. Gebhard Fürst in der vollbesetzten Basilika, das das Fest der Seligsprechung vom Juli 2022 gleichsam nochmals Revue passieren ließ.

Angefangen von der fulminanten Philipp-Jeningen-Fanfare, die ob ihrer musikalischen Kraft und Dichte den Kirchenraum mehr als erfüllte, die wunderbare Musik durch den Stiftschor und der zahlreichen Musizierenden unter der Leitung von Regionalkantor Benedikt Nuding  insgesamt, über die liturgischen Texte und Gebete, bis hin zu den vielen Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern, strahlte dieser Gottesdienst wie schon bei dem Ellwanger „Jahrhundertereignis“ im Vorjahr die Freude über diesen seligen Glaubenszeugen weit über die Stadt und den Virngrund hinaus. Stadtpfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen, der neben Bischof Fürst auch den Schönenberger Wallfahrtsrektor und jüngst zum Provinzial der Redemptoristen gewählten P. Dr. Martin Leitgöb, den stellvertretenden Dekan des Dekanats Ostalb, P. Jens Bartsch, sowie Prälat Werner Redies und eine große Zahl weiterer Priester und Ruhestandsgeistlichen begrüßen konnte, dankte noch einmal für das Engagement und die Leistungen der vielen Haupt- und Ehrenamtlichen, die das Fest der Seligsprechung erst möglich gemacht hatten.

Aus Gottes Kraft heraus den Menschen nahe

Das größte Vermächtnis Philipp Jeningens, „aus Gottes Kraft heraus den Menschen in ihrer Not nahe“ zu sein, stellte Bischof Fürst in den Mittelpunkt seiner Predigt. Pater Philipp habe „die Menschen durch die Verkündigung und durch das gelebte Beispiel des Evangeliums stark gemacht oder wieder aufgerichtet, ihnen Zukunft gegeben in einer schrecklichen Zeit“. Seine Beziehung zu Gott habe dem Volksmissionar die Kraft gegeben, in einer heilsamen Beziehung zu den Menschen zu leben, ihnen angesichts von Hunger, Elend und schweren Krankheiten neue Kraft und Zuversicht zu verleihen, ihnen Hoffnung zu geben – so wie es in dem neuen Pater-Philipp-Gebet heißt: „Pater Philipp, Wegbegleiter, / Hoffnungsbote, Glaubensstreiter, / mögst uns Jesus näher führn, / ihn in allem suchen, spürn.“

Bischof Fürst erinnerte auch an einen Gedanken aus der Predigt von Kardinal Jean-Claude Hollerich, der bei der Seligsprechung über Philipp Jeningen gesagt hatte: Nicht die geografische Weite, sondern die Tiefe des Herzens war der Ort seiner Begegnung mit Gott. Aus dieser Begegnung mit Gott hat er sich den Menschen zugewandt – als Beichtvater, Katechet und Menschenfreund.

Die Spiritualität Philipp Jeningens weiterführen

Pfarrer van Meegen würdigte die vielen Beterinnen und Beter, die das Andenken an Pater Philipp lebendig halten. Die Spiritualität, die Philipp Jeningen in seinem ganzen Leben und vor allem in seiner Ausstrahlung geschenkt bekommen hat, werde in der heutigen Zeit vor allem von der „action spurensuche“ weitergeführt. Durch Wallfahrten, in Gottesdiensten und Vorträgen erschließt diese geistliche Bewegung seit 30 Jahren Schnittstellen zwischen dem Leben Pater Philipp Jeningens und dem Leben der Menschen heute. Den Gedenktag hatten die Spurensucher und Spurensucherinnen mit einem 24-stündigen Gebet mit gestalteten Elementen und den Gebetszeiten der Kirche eingeläutet.

Pavel Jerabek

Botschaft aus Rom

Nach der Anerkennung eines Wunders durch Papst Franziskus ist der Weg frei für die Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen. Die Kirchengemeinde St. Vitus in Ellwangen freut sich mit dem Jesuitenorden und der Diözese Rottenburg-Stuttgart über die Anerkennung eines Wunders auf die Fürsprache von Jesuitenpater Philipp Jeningen.
Papst Franziskus hat die Entscheidungen der zuständigen Kommissionen der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren am 19. Juni anerkannt.

Zum Artikel der Schwäbischen Post vom 22.06.2021

Seligsprechung

Interview
Seligsprechungsverfahren Philipp Jeningen geht weiter
Am 7. November 2011 beginnt in der Basilika der Wunderprozess mit einer Pontifikalvesper mit Bischof Fürst
Von Josef Schneider

Ellwangen – Der Gute Pater Philipp Jeningen (1642 bis 1704), Volksmissionar in Ellwangen, soll seliggesprochen werden, ein weiterer Schritt in diesem Verfahren wird am Montag, 7. November, mit einer Pontifikalvesper um 18 Uhr in der Basilika eröffnet. Josef Schneider sprach mit Pfarrer Michael Windisch über den Jesuit und den Seligsprechungsprozess.

Am Montag beginnt der Wunderprozess in Sachen Philipp Jeningen. Warum soll der Pater seliggesprochen werden?
Pater Philipp ist hier seit vielen Jahrhunderten hoch verehrt. Die Menschen haben erfahren, wenn sie in den verschiedensten Anliegen an seinem Grab waren, um seine Fürsprache zu erbitten, dass sie dann ermutigt und gestärkt wieder in ihren Alltag zurückkehren konnten. Das Andere ist: Wenn jemand seliggesprochen wird, wird er als Vorbild vorgestellt. Viele suchen nach Vorbildern, an denen sie sich orientieren können. Für uns ist Pater Philipp so ein Vorbild in der Verkündigung des Evangeliums. Die zeitlichen Umstände sind heute zwar ein Stück weit anders als zur Lebenszeit von Pater Philipp. Aber das was Pater Philipp getan hat, ist für uns als Kirche auch heute noch von Bedeutung, und zwar unter dem Stichwort, das unser Bischof so gerne verwendet: Missionarische Kirche zu sein. Das heißt, auch wir sollen, wie Pater Philipp damals, das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen.
Woran hat es bislang gehapert?
Ich denke, es sind verschiedene Dinge zusammengekommen, warum es in den letzten Jahrzehnten nicht richtig weiterging. Es könnte sein, dass bei den Jesuiten in Rom, die diesen Prozess bisher allein geführt haben, der Eindruck entstand, dass von unserer Seite zu wenig nach dem Stand der Dinge nachgefragt worden sei. Man hat einfach darauf vertraut, es wird schon laufen. Das Andere ist: Für den erfolgreichen Abschluss eines Seligsprechungsverfahrens braucht man ja ein medizinisches Wunder. Bei allen Fällen von erkrankten Personen, die wieder gesund wurden, nachdem sie oder Angehörige von ihnen am Grab von Pater Philipp beteten, haben wir keine medizinische Dokumentation vorlegen können, weil diese Fälle zu lange zurücklagen. Wir haben diese Fälle an den Generalpostulator der Jesuiten in Rom weitergeleitet, sie aber mit dem Hinweis auf die fehlenden medizinischen Dokumente zurückerhalten. 
Gibt es dieses Wunder jetzt?
Wir haben vor einiger Zeit in unserer Diözese Kenntnis erhalten von einem Fall, bei dem es medizinische Dokumente gibt. Ich habe diese in den vergangenen zwei Jahren gesammelt und Zeugen befragt. In diesem Verfahren, das am Montag eröffnet wird, werden diese Akten bewertet. Die Akten habe ich in Rom Dr. Andrea Ambrosi vorgelegt, der vom Bischof zum Postulator in diesem diözesanen Verfahren ernannt wurde. Ambrosi wird am Montag da sein. 
Welchen Anteil haben Sie, welchen hat Ihr Vorgänger Patriz Hauser?
Ich bin von den Jesuiten zum Vizepostulator berufen worden und muss dem Generalpostulator der Jesuiten von hier aus zuarbeiten. Zum anderen habe ich im Auftrag des Bischofs dem Dr. Ambrosi zugearbeitet. Pfarrer Hauser war auch Vizepostulator und hat die Sachen, die ihm zugetragen wurden, an die Jesuiten nach Rom weitergegeben.
Wie lange dauert der Seligsprechungsprozess nach Eröffnung?
Zeitliche Angaben kann ich keine machen. Das Kirchengericht wird zügig arbeiten. Ich kann nicht sagen, ob es sechs, zwölf oder 18 Monate sind. Das Ergebnis der Beratungen dieses Kirchengerichts geht nach Rom an die Kongregation für die Heiligsprechungen und wird dort weiterbearbeitet. Die Entscheidung fällt letztendlich in Rom. 
Wie ist der Ablauf am Montag? Ist auch die „action spurensuche“ involviert?
Es ist ein ganz klassischer Pontifikalvespergottesdienst, dem Bischof Dr. Gebhard Fürst vorstehen wird. Mitglieder der „action spurensuche“ werden im Gottesdienst den Lektorendienst übernehmen. Die „action spurensuche“ ist ein wichtiger Bestandteil in diesem Prozess, sie hat großen Anteil daran, dass bei den zuständigen Behörden in Rom gesehen wird, dass Pater Philipp nach wie vor quer durch alle Generationen sehr verehrt wird. Vor dem Segen wird Dr. Ambrosi den Bischof bitten, diesen diözesanen Wunderprozess zu eröffnen. Der Bischof wird die Bitte annehmen und die Namen der Mitglieder des Kirchengerichts nennen. Anschließend wird Weihbischof Dr. Johannes Kreidler als Domdekan in dieser Funktion die Mitglieder des Kirchengerichts, die vereidigt werden müssen, vereidigen. In der Kapitelbibliothek unterschreiben die Mitglieder des Kirchengerichts die Dokumente. Danach ist im Jeningensaal Stehempfang. Die Jesuiten sind an der Pontifikalvesper nicht beteiligt, das ist eine reine Sache der Diözese. Aber auch die Jesuiten verfolgen die Seligsprechung, sodass wir zweispurig fahren.

Auszug aus:Ostalb Medien GmbH - Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten

Der Wunderprozess ist eröffnet

Pfarrer Michael Windisch, Prof. Dr. Bernd Ultsch und Dr. Rainer Zitzmann sind im Kirchengericht
Von Josef Schneider

Ellwangen – Der Wunderprozess im Seligsprechungsverfahren des Jesuitenpaters Philipp Jeningen ist seit gestern Abend eröffnet. Bei der Pontifikalvesper in der voll besetzten Basilika sagte Bischof Dr. Gebhard Fürst: „Ich bete dafür und hoffe, dass der Wunderprozess zu einem guten Ende führt.“ Der Oberhirte war erst vor fünf Wochen im Rahmen der Dekanatsbezirkswallfahrt zu Ehren Pater Philipps als Prediger in Ellwangen, was darauf schließen lässt, dass dem Bischof daran liegt, das Verfahren rasch durchzuführen. Der Volksmissionar starb 1704 im Alter von 62 Jahren in Ellwangen.

„Philipp, du Gottesmann, reich an Glaub und Tugend“, sang die Gemeinde beim Einzug der 27 Geistlichen in die Basilika das Philipp-Jeningen-Lied. Auf den Altarstufen stand auf rotem Tuch ein Bild des Guten Paters, von Kerzen umrahmt. Unmittelbar vor der Vesper waren die Zelebranten am Grab von Pater Philipp in der Liebfrauenkapelle der Basilika vorbeigezogen und hielten dort kurz inne. Pfarrer Michael Windisch dankte dem Bischof für seinen Einsatz im Seligsprechungsverfahren und begrüßte unter den Zelebranten auch Prälat Werner Redies, Abt Norbert Stoffels von der Abtei Neresheim und Dekan Dr. Pius Angstenberger sowie Dr. Andrea Ambrosi aus Rom, der zum Postulator in diesem diözesanen Verfahren ernannt wurde.
Bischof Gebhard Fürst knüpfte in seiner Predigt an die sieben Seligpreisungen der Bergpredigt an. Alles in Pater Jeningen sei darauf ausgerichtet gewesen, „nur dem Nächsten zu leben“, nahm der Oberhirte Bezug zur Grabinschrift des in Ellwangen lebenden und wirkenden Jesuiten und bezeichnete den Volksmissionar und Prediger als einen Menschen mit einem ganz besonderen Charisma, einem besonderen Blick und einem besonderen Mut.. Der „heroische Tugendgrad“ Pater Jeningens wurde bereits 1989 als erste Voraussetzung für eine mögliche Seligsprechung festgestellt. Wenn alle Menschen so leben würden wie er, wären die Umstände in dieser Welt besser. Es gebe weniger Gewalt in Beziehungen, weniger Kriege, weniger Ungerechtigkeit und weniger Ungutes Im Inneren wie im Äußeren – und mehr Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen. Wir alle seien Selige, wir alle seien Heilige, wenn wir dem Geist Gottes Raum geben, appellierte der Bischof, Christen zu sein, selbst Selige zu sein. 
Am Ende der Vesper wurde der diözesane Wunderprozess eröffnet, Andrea Ambrosi bat den Bischof in lateinischer Sprache darum. „Gerne komme ich Ihrer Bitte nach“, sagte Fürst. Er ernannte die Mitglieder des Kirchengerichts, die durch Prälat Werner Redies öffentlich am Ambo vereidigt wurden und anschließend in der Kapitelsbibliothek des Jeningenheims die Dokumente unterschrieben. Mitglieder des Kirchengerichts sind als bischöflicher Stellvertreter Offizial Thomas Weißhaar, als Promotor Iustitiae Prälat Reinhold Melber, als Beisitzer Bischofssekretär Holger Winterholer, als Notar Offizialatsrat Dr. Stefan Ihli, zu stellvertretenden Notarinnen Monika Hentschel und Sylvia Söll, zum Ärztlichen Beirat Prof. Dr. Bernd Ultsch, als ärztliche Gutachter Dr. Heidrun Saalbron und Dr. Rainer Zitzmann, zum Postulator Dr. Ambrosi und zum Vizepostulator Pfarrer Michael Windisch. In dem gestern eröffneten Wunderprozess geht es darum, ein Heilungswunder des Verstorbenen als weitere Voraussetzung kirchenrechtlich anzuerkennen.

Auszug: Ostalb Medien GmbH - Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten